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Wie Bagger ein Naturparadies erschaffen

Neues Leben im Liether Moor: Projekt sorgt für kleine Seen und Verbindungsflüsse

Auch diese Libelle ist inzwischen auf einem der sogenannten Mooraugen im Liether Moor heimisch geworden. Fotos: Armin Püttger-Conradt

KLEIN NORDENDE / Armin Püttger 'den-Conradt

Mooraugen: Da­hinter verber­gen sich keine seltenen Schmetterlinge oder Fabel­wesen. Es sind vielmehr klei­ne Seen, mitsamt den dazu gehörigen flüsschenartigen Schlenken, die zu einer ge­sunden Moorlandschaft da­zugehören. Nach Vorbild des natürlich entstandenen Mooraugenschlenkensys- tems im NSG Ewiges Meer bei Aurich wurde vor vier Jahren im Liether Moor vom Betreuungsverein Liether Moor e. V. ein ebensolches auf künstlichem Wege ge­schaffen.

Dieses hat sich bis heute wunderbar von selbst rena­turiert und in die Landschaft eingepasst hat. Nun wurde dieses kürzlich auf die dop­pelte Fläche ausgedehnt, zum Wohl eines einst tro­ckengelegten Moores und der darin lebenden Tiere und Pflanzen.

Bereits in aller Frühe des Tages rückten die schweren Raupenfahrzeuge im Liether Moor an, die in Ostfriesland angemietet wurden. Nach einer Lagebesprechung wälzten sie sich den Damm entlang zu der Reetwiese, die sich dem Mooraugenpro­jekt von 2017 anschließt und begann mit dem ersten An­stich. Bereits einen Tag vor­her wurde mit Stangen das Gelände abgesteckt, in dem zwei weitere Mooraugen entstehen sollen.

Der große Erfolg eines solchen Projektes von 2017 war ausschlaggebend, diese erhebliche Vergrößerung vorzunehmen. Es hatten sich bereits große Seltenheiten eingestellt, wie langschnäbe- lige Schnepfenvögel, lang­beinige Wasserläufer, Libel­len, Moorfrösche und Rin­gelnattern sowie moortypi­sche Pflanzen ihre Ausbrei­tung gefunden, allesamt sehr anspruchsvoll und auf Moo­re angewiesen, denen nun ein erheblich größerer Lebensraum geboten wird.

Trotz der Trockenheit der vergangenen Jahre haben die Schlenken und die beiden damals geschaffenen Moor­augen ihren Wasserstand beibehalten, begünstigt auch, da es sich um die ehe­malige Fläche des Esinger Sees handelt, der sich nach der letzten Eiszeit weit dehnte und steinzeitlichen Jägern mitsamt wilden Ren­tierherden einen willkom­menen Aufenthaltsort bei ihren jährlichen Wanderun­gen bot.

Vor der Rückkehr der Natur kamen die Maschinen: Die Firma Sahlmann & Sohn aus Seeth-Eckholt erledigte mit ihren erfahrenen Baggerführern die Arbeiten. Fotos: Armin Püttger-Conradt

Idee entstand in Ostfriesland im Ewigen Meer

Die Kosten beliefen sich auch diesmal wieder auf et­wa 30 000 Euro, die größten­teils von der Unteren Natur­schutzbehörde des Kreises Pinneberg übernommen wurden, deren Mitarbeiter den Naturschutzarbeiten des Liether Moorvereins seit Jahren wohlwollend gegen­überstehen. Bereits seit 20 Jahren betreut dieser die Kernfläche des Moores, die zum größten Teil inzwi­schen aufgekauft wurde und für Renaturierungsarbeiten zur Verfügung stehen, wozu auch die hübschen hell­brauen Highland-Rinder des kooperierenden Robustrin­dervereins mit ihrer zottigen Mähne als Pfleger ihren Bei­trag leisten.

Als der Autor dieser Zeilen während vergangener Jahre die Moorlandschaften Norddeutschlands besuchte und dabei in Ostfriesland auch auf das Ewige Meer stieß, ließ sich noch nicht absehen, dass sich dieses na­türliche Moorgebiet im Kreis Pinneberg in Kleinformat verwirklichen ließe. Doch wurde der diesbezügliche Vorschlag vom Betreuungs­verein Liether Moor sofort positiv aufgenommen und Dank des eifrigen Vorstan­des Martin Röseke sowie Jörg Bendmann prompt in Angriff genommen und soll auch gleichzeitig als Vorbild für ähnliche Projekte in Schleswig-Holstein dienen.

Die offenen Mooraugen und Schlenken mit einer Tiefe von etwas über einen Meter Tiefe sind Vorberei­tung für eine zukünftige Torfmoosdecke, die für eine neue Moorbildung unbe­dingt nötig ist. Sie ist be­kannt für ihre schwammige stark wasserhaltige Subs­tanz, die einen festen Boden suggeriert, jedoch schon so manchen durchbrechen und in der sumpfigen Tiefe ver­sinken ließ.

20 Meter Durchmesser mit einer kleinen Insel

Die beiden neuen Moorau­gen haben einen Durchmes­ser von 20 Metern und sind mit je einer Insel versehen.

Die offenen Mooraugen Sie sind, wie auch die Schlenken, die sich in Mäan­dern durch das Reet winden, an allen Stellen gleich tief, um eine gleichmäßige Wie­dervermoorung zuzulassen, ohne dass sich absterbendes Pflanzenmaterial an der tiefsten Stelle ansammelt. Das gesamte Projekt des Lie­ther Moorvereins reiht sich perfekt in die Flora/Fauna Habitatsrichtlinie FFH ein, die von der EU beschlossen wurde und als Vorbild dient für einen sinnvollen Erhalt und Schutz der Natur.

Natürlich ist es im Ver­gleich zum Ewigen Meer, wo das Moorauge eine Fläche von über einem Quadratki­lometer einnimmt, eher klein zu nennen, doch sind auch jedes noch so kleine re­naturierte Moorstück in ein Gesamtkonzept von Ver­bundsystemen einzureihen und als wertvoll anzusehen.

Die Natur ist wieder zurückgekehrt

Der Erfolg des Betreuungs­vereins Liether Moor war während der letzten vier Jahre bereits anhand des vo­rangegangenen Schlenken- systems zu erkennen. Silber­weiß leuchteten im Sommer die großen Flächen der Wollgräser. Die Vogelwelt sang und tirilierte über den Gewässern auf denen Enten schwammen. Stelzbeinige Limicolen wateten zwischen den Bülten in der Flatterbin­senfläche herum. Bekassi­nen flogen mit schnepfen- den Rufen im Zickzack auf. Waldwasser- und Flußufer­läufer staksten umher, wäh­rend sich Trupps von Sand­regenpfeifern auf den sandi­gen Wällen aufhielten, die mit dem Aushubmaterial rundum gebildet wurden und zusätzlich das Wasser stauen.

Das alles lässt sich mit Ge­duld und Aufmerksamkeit, bewaffnet mit einem Fern­glas, von der nahe gelegenen Aussichtsplattform beob­achten, denn die Natur ist auch zur geistigen Erbauung des Menschen da.

 

*Der Autor Armin Püttger 'den-Conradt ist Biologe, Publizist, Forschungsreisender und nach eigenen Angaben einer der letzten Romantiker seines Genres. Er wurde in Elmshorn geboren und lebt heute im Biosphärenreservat Elbtalaue, in der Dorfgemein­de Zehrental. Er lebte zum Stu­dium lange Zeit am Bodensee und in der Pfalz sowie in Kin­shasa im Kongo und befasste sich dort unter anderem mit Nashörnern.

 

Liether Moor - 100 Hektar Landschaftsschutzgebiet

Naturlehrpfad mit 24 Schautafeln

Das Liether Moor erstreckt sich auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar zwischen Elmshorn, Tornesch und Klein Nordende.
Das Landschaftsschutzgebiet lässt sich am besten entlang des Naturlehrpfads erkunden. Die­ser umfasst ein 14 Kilometer großes Wegenetz. 24 Schauta­feln an verschiedenen sehens­werten Plätzen informieren über Flora und Fauna, geologi­sche Besonderheiten, extensive Tierhaltung und Wildtiere. Be­suchern wird erläutert, in wel­cher besonderen Landschaft sie sich befinden, und warum es sich lohnt, diese durch eigenes rücksichtsvolles Verhalten zu schützen. Der Naturlehrpfad ist entweder über den Parkplatz an der Straße Liether Moor zu er­reichen oder über den an der Liether Kalkgrube.

 

Elmshorner Nachrichten 21.12.2021

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