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Digitaler Bürgerworkshop blickt in die Zukunft

Die Gemeinde Klein Nordende will wachsen. Foto: Lottmann

KLEIN NORDENDE / Daniela Lottmann

Fünf bunte Balken - das zeigt eine der ersten Folien auf dem digita­len Bürgerworkshop der Ge­meinde Klein Nordende. Fünf bunte Balken, die eigentlich alles zusammen­fassen, was heute hier be­sprochen wird. Alle Wün­sche, Ziele, Zunkunfsvor- stellungen, Ängst, Sorgen und Bedenken.

Gemeinsam mit dem Pla­nungsbüro WRS Architekten und Stadtplaner aus Ham­burg lud die Gemeinde die Bürger Klein Nordendes zum Besprechen des Orts­entwicklungskonzeptes ein. Die fünf bunten Balken zei­gen die Stärken und Schwä­chen des Ortes. Vielfältige Vereinsangebote, Nähe zur Natur und die hohe Wohn­qualität durch Wohnen im Grünen stehen etwa auf der Stärken-Seite. Ein ausbaufä­higes Fuß- und Radwege­netz, die unzureichende me­dizinische Versorgung und das Fehlen von günstigem, barrierearmen und kleinem Wohnraum steht auf der Sei­te der Schwächen. Für die Zukunft soll das in Angriff genommen werden.

Die Vielfalt im Ort erhalten

Stefan Röhr-Kramer vom Planungsbüro führte durch die Veranstaltung, die wegen des Pandemiegeschehens als Online-Sitzung stattfmden musste. Seine These: Klein Nordende muss wachsen. „Denn sonst wird Klein Nordende von einem leben­digen Ort zur Schlafstadt.“ Wenn keine neuen Einwoh­ner nachkommen, würden in ein paar Jahren die Kinderta­gesstätten und die Schule leerlaufen. Auch das Ver­einsleben - aktuell noch auf der Stärkenseite des Ortes - würde einen langsamen Tod sterben, wenn die Gemeinde keine neuen Einwohner an­siedeln könne, sagt der Fach­mann.

Moderat solle der Ort wachsen, lautet deswegen der Vorschlag, auf den man sich schon im ersten Bürger­workshop zum Ortsentwick­lungskonzept einigen konn­te. Um 0,75 Prozentpunkte jährlich soll die Einwohner­zahl demnach bis 2040 zu nehmen. „Das bedeutet, et­wa 500 Einwohner müssen dazukommen“, sagt Röhr- Kramer. Das wären etwa 300 Wohneinheiten mehr im Laufe der nächsten 20 Jahre oder auch 15 Wohneinheiten pro Jahr.

Sorge wegen des Zuwaches

Eine Zahl, die einigen Bür­gern Sorgen bereitet. „Mit der Geschwindigkeit an Zu­wachs wird Klein Nordende entweder selbst zur Klein­stadt oder zum Ortsteil von Elmshorn. Und ich glaube, das will keiner hier“, erklärt ein Bürger. Im Gespräch mit unserer Zeitung hält And­reas Kamin (SPD), Vorsit­zender des Bauausschusses, dagegen. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren eine Entwicklung gehabt, die in etwa vergleichbar war.“

Mehr Wohneinheiten - das bedeutet für das Pla­nungsbüro vor allem: mehr Mehrfamilienhäuser. So pas­sen auf einen Hektar etwa 15 bis 20 Einfamilienhäuser. Um die Wachstumsrate zu schaffen und gleichzeitig das Dorf wenig in der Fläche ausfransen zu lassen, sollen eher Mehrfamilienhäuser gebaut werden. 50 bis 70 Wohneinheiten passen so laut Röhr-Kramer auf einen Hektar.

Doch nicht alle Bürger sind über den Vorschlag glücklich. Der dörfliche Cha­rakter sei geprägt durch das Einfamilienhaus, meldet sich ein Bürger zu Wort. Röhr-Kramer versucht zu vermitteln. Kleinere Woh­nungen seien vor allem für junge Menschen und Senio­ren, die sich verkleinern wol­len, interessant. „Wir wollen auch für Menschen, die ihr Leben an diesem Ort ver­bracht haben, die Möglich­keit geben, hier zu bleiben.“

Die Diskussion wird weiter geführt. Bis 5. April, sind Bürger eingeladen, ihre Ge­danken und Vorschläge zum Ortsentwicklungskonzept an die Gemeinde zu schi­cken. Das geht per Einwurf in den Briefkasten am Ge­meindezentrum, Schulstra­ße 3, oder per E-Mail an ortsentwicklung@klein-nordende.de.

Elmshorner Nachrichten, 29.03.2021

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